(Im Folgenden hat unser Gildebruder Dieter Abel Wissenswertes über unsere Gilde zusammengetragen und anschaulich formuliert. Vielen Dank. )

Die Stadtvogelschützengilde von 1595 e.V. Bad Segeberg gehört zu einer der ältesten Gilden in Schleswig-Holstein.

Name

Die Gilde führte über Jahrhunderte in ihrem Namen die Jahreszahl 1725. In seiner 1965 verfassten Chronik weist der Oberstudiendirektor Hans Simonsen nach, dass die Gilde bereits im Jahr 1595 existierte. Belegt wird dieses Jahr durch eine Kämmereirechnung der Stadt Segeberg. In der Jahreshauptversammlung, am 15. 3. 1965, wurde der Beschluss gefasst, die Jahreszahl 1595 in die Vereinsbezeichnung zu übernehmen (Andere Quellen legen nahe, dass die Gilde noch wesentlich älter sein könnte). Die heutige Stadtvogelschützengilde entstand aus mehreren Schützenvereinen und Gilden in Segeberg und Gieschenhagen, die sich im Laufe der Jahrhunderte zusammengeschlossen haben.

Gründungszweck

Entstanden ist die Gilde aus einem Zusammenschluss Segeberger und Gieschenhagener Bürger, die sich im Gebrauch ihrer Waffen übten, um ihre Heimatstadt verteidigen zu können.

 

Königkette

Der König der Gilde trägt in seinem Königsjahr die alte silberne Königskette zu allen offiziellen Anlässen. Bei der Übergabe an den neuen König bringt er eine silberne Plakette mit seinen Initialen (und teilweise Beruf/-Innungszeichen) an der Kette an. Die älteste Plakette stammt aus dem Jahr 1595. In der Mitte der Kette hängt das silberne Königsschild aus dem Jahr 1735. Es bedeutet eine Huldigung an den dänischen König Christian VI. Über dem Königsschild ist ein silberner „Papagoy“ befestigt. Früher wurde beim Vogelschießen auf einen stilisierten Papageien, der auf einer Vogelstange saß , geschossen. Da im Laufe der Jahre die Kette zu schwer wurde, stiftete der König Heinz Tohde im Jahr 1991 eine „kleine Königskette“, an der nur die Plaketten der letzten Könige befestigt sind. Diese „kleine“ Kette wird zu den „kleineren“ Anlässen getragen.

Königskette

Vogel und Fahne

Der im Gildeheim aufgehängte Vogel ist nicht der, der beim Vogelschießen zerschossen wird, sondern ein geschnitztes Exemplar, welches beim traditionellen Umzug durch die Stadt, anlässlich des jährlich stattfindenden großen Vogelschießens, von der Jugendabteilung getragen wird. Neben unserer offiziellen Fahne befindet sich noch ein historisches Exemplar in unserem Besitz.  Sie muss aber schon vor dem Jahr 1965 im Gildebesitz gewesen sein, da sie noch die Bestickung „Stadt-Vogelschützengilde von 1725“  aufweist (ab 1965 trägt die Gilde als Gründungsjahr die Jahreszahl 1595).

Vogel und Fahne

Vogelwiese

Früher fand das jährliche Vogelschießen auf der „Vogelwiese“ statt. Diese befindet sich auf der Anhöhe im Kurpark, am Ende der Seepromenade. Zum Vogelschießen wurde mit großem Aufwand ein Festzelt und der Vogelmast aufgebaut. Im Jahr 1978 fand dann erstmals das Vogelschießen auf dem heutigen Gildegelände am Kühneweg statt.

Ernst-Wickel-Stand

Ab ca. 1880 suchten die Schützen ein Gelände für einen Schießstand. Dieses fanden sie in der Gemarkung Klein Niendorf. In Eigenleistung richteten sie das Gelände her. Es entstanden u.a. Schießbahnen mit Längen von 175m und 300m. Treibende Kraft beim Auf-und Ausbau war Ernst Wickel (12.7.1875 – 6.10.1954). Der Schießstand wurde am Ende des 2. Weltkrieges durch die britische Besatzungsmacht beschlagnahmt. Im Jahr 1950 wurde der Stand wieder freigegeben. Ernst Wickel war nach dem 2. Weltkrieg der erste 1. Ältermann der Stadtvogelschützengilde. Als Anerkennung für seine unermüdlichen Leistungen beschloss die Gilde den Schießstand nach ihm zu benennen.

Gildemarsch

Die Stadtvogelschützengilde hat einen eigens für sie kompnierten „Gildemarsch“. Komponist war  Werner Thieler.  Die Noten sind für Jedermann zugänglich; denn sie sind auf einer großen Holztafel zu finden, die sich im Gildeheim befindet.

Gildemarsch

1.Ältermann

In der Stadtvogelschützengilde steht der 1. Ältermann der Gilde vor. Unterstützt wird er von weiteren Vorstandsmitgliedern

Viermänner

Diese vier Männer gehören nicht dem geschäftsführenden Vorstand an, unterstützen ihn aber. Die Positionen gliedern sich auf die Tätigkeitsbereiche :„Grundstück, Jugend, Organisation und Stutzenclub“.

Stutzenclub (Schieß-und Übungsabend)

Die aktiven Schützen und Mitglieder treffen sich wöchentlich im Gildeheim. Sie bezeichnen sich als Stutzenclub, ohne ein eigener Verein oder Club zu sein. Im Rahmen dieser Abende wird geschossen, Karten gespielt oder sich auch nur unterhalten. Eine Teilnehmerliste führt der Viermann Stutzenclub. Unterstützt wird er durch einen Helfer, der die Scheiben ausgibt. Die Auswertung der Scheiben erfolgt durch ein elektonisches Auswertegerät. Am Ende des Abends erfolgt jeweils die Bekanntgabe der besten Schützen in den einzelnen Disziplinen. Höhepunkte eines Stutzenclubjahres sind die halbjährlichen Abschlussschießen. Nach einem gemeinsamen Essen findet ein Juxschießen statt. Anschließend werden die besten Schützen des zurückliegenden Halbjahres geehrt.

Auswertegerät

König

König der Gilde kann jedes Mitglied werden. Im Rahmen des großen Vogelschießens wird dieser „ausgeschossen“. König wird das Gildemitglied, welches laut Schießliste mit dem Schießen an der Reihe gewesen wäre, wenn das letzte Stück Holz vom Vogel fällt.  Durch diese Regelung ist sichergestellt, dass nicht der beste Schütze König wird, sondern jeder König werden kann. Die Schießlisten führen zwei neutrale Aufsichtspersonen, die nicht der Gilde angehören. Das Regierungsjahr beträgt ein Jahr.

Bewirtung

An den offiziellen Schießabenden (und den Tagen mit Veranstaltungen) findet eine Bewirtung statt. Die Gilde ist hierfür mit einem Tresen und einer Küche ausgestattet. Außer einer großen Getränkeauswahl, mit frisch gezapftem Fassbier,  werden an den Abenden auch jeweils warme Essen sowie diverse kleine Leckereien angeboten.

Königsschütze

Königsschütze ist der Schütze, der beim Vogelschießen das letzte Stück Holz vom Vogel abschießt. Danach steht dann auch der neue König fest. Es ist äußerst selten, dass der Königsschütze auch der künftige König ist (siehe auch unter „König“, da dieser sich aus der Schießliste ergibt)

Königsball

Hierzu lädt der König ein. Dieser Ball gehört zu einem der Glanzpunkt des Gildejahres und des gesellschaftlichen Lebens  in Bad Segeberg. Er findet im festlichen Rahmen seit Jahren, Ende Januar,  im „Vitalia Seehotel“ statt.

Gildeball

Königsessen

Ende Oktober lädt der König alle Gildebrüder zu einem gemeinsamen Abendessen in den Schützenhof ein. Gereicht wird traditionell Kasseler, Kartoffeln, Sauerkraut, Speckstippe und Erbsenpüree. Die Kosten des Essens trägt der König. An diesen Abenden werden nach Festreden auch besondere Ehrungen vorgenommen. So erhalten langjährige Mitglieder Treuemedaillen der Gilde, Des Norddeutschen Schützenbundes und des Deutschen Schützenbundes.  Überreicht wird auch der Wanderpokal der Stadt Bad Segeberg. Diesen schießen der König und sein Vorgänger, sowie deren Königsschützen an einem vorhergehenden Abend aus.

Königsessen

Der Vogel

Seit 1838 schießt die Gilde beim Vogelschießen auf den „Sächsischen Vogel“. Dieser mehr als 1 Meter große Vogel wird in Handarbeit aus unzähligen Einzelteilen zusammengebaut, – geleimt, -geschraubt und bemalt. Beim Vogelschießen hängt er am Vogelmast und wird am Festtag durch unzählige Schüsse, nach einem genau vorgegebenen Ablauf, zerschossen. Fällt das letzte Stück Holz, steht der neue König fest.

Vogel

Verkupferter „Vogelrest“

Der Gildebruder, der das letzte Stück Holz vom Vogel, beim traditionellen Vogelschießen, abgeschossen  hat (Königsschütze), bekommt zur Erinnerung an seinen Schuss ein Abzeichen und beim jährlichen Königsessen im Oktober den „Vogelrest“, welcher hierzu vom Gildebruder Peter Bogner aufwendig verkupfert wird.

Vogelrest

Schützenrock

Zu offiziellen Anlässen treten die Gildebrüder im Schützenrock an (grauer Schützenrock mit grünem Revers und grünen Stulpen, weißes Hemd, schwarze Krawatte, schwarze Hose,  weiße Handschuhe, schwarze Socken, schwarze Schuhe und Schützenhut mit Feder). Auf dem linken Ärmel trägt der Schützenrock das Wappen der Gilde. Funktionsträger der Gilde tragen an ihrem linken Ärmel eine Binde mit der Amtsbezeichnung.

Schellenbaum

Die Gilde ist im Besitz eines silbernen Schellenbaumes, der mit zu den ältesten in Schleswig-Holstein gehört. Gegen Ende des 2. Weltkrieges wurde der Schellenbaum vor dem Einmarsch der Engländer im Wall vergraben. Die Wälle sollten auf Anordnung jedoch eingeebnet werden. Glücklicherweise wurde der Schellenbaum aber vorher noch geborgen. Es gab einmal einen Vertrag zwischen der Feuerwehr und der Gilde, in dem sich diese bereit erklärte, der Feuerwehr den Schellenbaum leihweise für besondere Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen.

Schellenbaum

Gildelade

Im Gildeheim steht die „Gildelade“. Diese aus der Gründungszeit  der Gilde stammende Holztruhe beherbergte früher die wichtigsten Gildedokumente. Heute kommt sie beim Vogelschießen wieder zu  Ehren. Sie wird vor den angetretenen Gildebrüdern aufgebaut, der 1. Ältermann öffnet die Lade mit dem schweren geschmiedeten Schlüssel und entnimmt ihr die Beförderungsurkunden für verdiente Mitglieder.

Gildelade

Beförderungen

Alle Gildemitglieder bekleiden einen Rang. Die erste Beförderung (zum Leutnant) erfolgt beim ersten Vogelschießen nach dem Eintritt in die Gilde. Weitere Beförderungen sind abhängig von der Dauer der Gildezugehörigkeit, des aktiven Mitarbeitens, der sportlichen Erfolge  und wie sich ein Mitglied in die Gilde einbringt. Über die Beförderungen befindet der Vorstand in geheimer Sitzung. Die Beförderungen werden im Rahmen des Vogelschießens ausgesprochen.

Die Dienstränge lauten: Leutnant, Oberleutnant, Hauptmann, Major, Oberstleutnant und Oberst.

Orden und Abzeichen

Am Revers trägt der Gildebruder die offizielle Gildenadel. Die ehemaligen Könige tragen am Hals den Königsorden. Der Königsschützen hat den Königsschützenorden. Weitere Orden sind der Treueorden für lange Zugehörigkeit und das Gildeverdienstkreuz, welches (nur selten) an besonders verdienstvolle Mitglieder verliehen wird. Besondere schließsportliche Leistungen werden durch weitere Orden und Abzeichen ausgewiesen.

Arbeitsdienst

Um das Grundstück und das Gildeheim auf Vordermann zu halten, setzt der Viermann Grundstück freiwillige Arbeitsdienste an. Diese finden meist an einen Sonnabend statt. In lockerer Atmosphäre werden dann anstehende Arbeiten erledigt. Jeder kann sich, je nach Geschick und Kenntnis, mit einbringen. Der Arbeitsdienst endet meist mit einem zünftigen, gemeinsamen Mittagessen. Einzelne Mitglieder können nach Absprache mit dem Viermann Grundstück selbstverständlich auch außerhalb der angesetzten Arbeitsdienste besondere
Arbeiten erledigen.

Arbeitsdienst

Grundregeln des Schießsports

Die Sicherheit, die Disziplin und der verantwortliche Umgang mit den Sportwaffen steht bei den Schützen im Mittelpunkt des Denkens und Handelns. Nur Konzentration, Kondition und intensives Training sind Voraussetzung für den Erfolg.

Sportwaffen

Gildebrüder benötigen keine eigenen Waffen. Die Gilde stellt an den Schießabenden die entsprechen Sportwaffen zur Verfügung. Für Sportschützen empfiehlt sich dennoch der Erwerb (nach Ablegung der vorgeschriebenen Prüfungen und im Rahmen der Gesetze) einer eigenen Sportwaffe, da hierdurch die persönlichen Schießergebnisse nachhaltig verbessert werden können.

Waffenkammer

Die Stadtvogelschützengilde verfügt über eine besonders gesicherte Waffenkammer. Hierin lagern in gesonderten Panzerschränken die Sportwaffen und die Munition der Gilde und der Gildebrüder. Zugang haben nur berechtigte Mitglieder, die ihre Befähigung zur Handhabung von Sportwaffen in amtlichen Prüfungen nachgewiesen haben.

Schießstände

Den Sportschützen stehen auf dem Gildegelände und im Gildeheim Schießstände für folgende Diziplinen zur Verfügung: 4 KK-Stände 100 m, 8 KK-Stände 50 m, 10 Stände für Luftgewehr und Luftpistole und 5 Stände, 25 m,  wahlweise für Zimmerstutzen oder Sportpistole (auch Großkaliber). Die KK -und Luftgewehrstände sind mit elektrischen Seilzuganlagen für die Scheibenwagen ausgestattet.

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Parkplatz

Allen Mitgliedern und Gästen stehen auf dem Gildegelänge Parkplätze in ausreichender Anzahl zur Verfügung. Außerhalb der Veranstaltungszeiten ist der Parkplatz verschlossen.

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Bunker

Am Ende des 100 m Standes befindet sich rechts ein Bunker im Wall. Als es noch keine Scheibenzuganlagen gab, hat dort ein Gildebruder gesessen und die Treffer auf der Scheibe angezeigt. So blieb es den Schützen erspart, immer zur Scheibe zu laufen.

Mitgliedschaft

Jeder kann den Antrag auf Aufnahme als Mitglied in die Stadtvogelschützengilde stellen. Die Entscheidung über die Aufnahme trifft der Gildevorstand.

Beitrag und Spenden

Jedes Mitglied ist zur Zahlung des Vereinsbeitrages verpflichtet. Eine Aufnahmegebühr wird nicht erhoben. Spenden sind jederzeit möglich. Da die Stadtvogelschützengilde vom Finanzamt als „Gemeinnützig“ anerkannt ist, wird für Spenden, auf Antrag, gerne eine Spendenbescheinigung erstellt.

Sparclub

Es gibt eine Spargemeinschaft, die sich „Sparclub Stutzenclub“ nennt. Sparer können Gildemitglieder werden, die ihre Sparbeträge an den Schießabenden in den Sparschrank einwerfen können. Es wird weder eine Eintrittsgebühr noch werden Strafgelder erhoben. Die Auszahlung der Guthaben erfolgt zur Jahresmitte im Rahmen einer gemeinsamen Veranstaltung.

Sparclub

Skatturnier

Die Gilde veranstaltet für ihre Mitglieder jeweils im Februar ein Skatturnier. Die Mitspieler erhalten als Gewinn wertvolle Fleischpreise. Übrigens: Ein fester Kreis Gildebrüder spielt an jedem Stutzenclubabend Skat. Sie werden scherzhaft als „Skatschützen“  bezeichnet.

Skat in der Gilde

Fotos im Internet

Bei den verschiedensten Veranstaltungen oder Anlässen der Stadtvogelschützengilde v. 1595 e.V. Segeberg werden Bilder/Fotos/Videos vom Gildegeschehen und den Teilnehmern gefertigt. Diese werden teilweise auf unserer Internetseite veröffentlicht, um das Gildeleben einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und transparent zu machen. Wir gehen davon aus, dass jeder Teilnehmer, ob Gildemitglied oder Gast, mit der Veröffentlichung einverstanden ist. Sollte ein Gildemitglied oder Gast dem widersprechen wollen, bitten wir um eine kurze E-Mail. Der Wunsch auf Nichtveröffentlichung wird dann selbstverständlich berücksichtigt.